Digitaler Arbeitsplatz der Industrie 4.0: Alles, nur keine Routine!

Im Zuge der digitalen Transformation wird Industrie 4.0 die Wertschöpfungskette beeinflussen oder verändern und einzelne Bereiche der Fertigung prägen. Dabei werden in besonderem Maß die sensiblen Bereiche Bedarf an Arbeitsplätzen und Einsatz von menschlichen Arbeitskräften betroffen sein. Worauf Unternehmen bei Arbeit und Beschäftigung ihren Fokus in Zukunft richten und wie digitale Technologien menschliche Fähigkeiten bereits heute wieder in den Vordergrund rücken, zeigen neue Untersuchungen der konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes.

In den internationalen Wirtschaftsräumen laufen bereits umfassende Aktivitäten zum Industrial Internet of Things. Der Blick auf den globalen Wettbewerb zeigt, wie es um Industrie 4.0, Einsatz von Informationstechnologie und vernetzte Produktion in der gesamten Wertschöpfungskette von Industrie und deren umgebende Branchen steht – bei Forschung und Entwicklung, Produktion und deren Steuerung, Wartung und Service, Logistik, Entsorgung und Umwelt sowie Analyse und Business Intelligence. Gleichermaßen vollzieht sich ein Wandel in der Gesellschaft unter den Berufstätigen, da in hohem Maße die zukünftige Entwicklung und Gestaltung von Arbeit beeinflusst werden.

Über die zentrale Fragestellung und mögliche “Missverständnisse 4.0” schreibt Unternehmensberater Oliver Schmidt in Carta:

Die Digitalisierung vereinfacht nicht nur unsere Produktion, sie verändert das Zusammenleben aller Menschen, unsere Kommunikation, unsere Interaktion, unsere Wertvorstellungen und den Umgang mit unserer Umwelt. Wie werden wir in Zukunft arbeiten? (…) Welche Rolle spielen feste Arbeitsverhältnisse, wo lösen sich Arbeits- und Lebensmodelle auf und wie formieren sie sich neu? Wo bewirkt der Trend der Globalisierung den Gegentrend der Regionalisierung – und was heißt das für mich, für meine Mitarbeiter und meine Kunden? Entwicklung ist niemals linear und nur eingeschränkt berechenbar. Sie lässt sich aber nutzen, wenn wir sie erkennen und uns auf das einstellen, was wir bereits wissen und ahnen.

Die neue Studie “Industry 4.0: The Future of Productivity and Growth in Manufacturing Industries” von der Marktanalyse-Gruppe bcg.perspectives / The Boston Consulting Group (BCG) ermittelt, dass durch die digitale Transformation in den kommenden zehn Jahren in Deutschland geschätzt 390.000 neue Arbeitsplätze entstehen können, was einem Impuls von 6 Prozent für den deutschen Arbeitsmarkt entspricht.

Neben den Entwicklungen, die durch die aktiv beteiligten Unternehmen entstehen, vollzieht sich der Wandel auch für die teilnehmenden Beschäftigten. Dazu die BCG-Studie:

Mit Industrie 4.0 verändern sich auch die Anforderungen an die Arbeitnehmer. Einfache manuelle Tätigkeiten sind weniger gefragt, dafür steigt die Nachfrage nach Mitarbeitern mit IT-Kompetenz, die flexible und vernetzte Produktionsabläufe planen, simulieren und überwachen.

Wie sehr sich die Arbeitswelt angesichts des digitalen Wandels verändert, indem herkömmliche Routinetätigkeiten (in den USA) verschwunden sind, beweisen neue Forschungsergebnisse von Henry Siu, Associate Professor an der Vancouver School of Economics der University of British Columbia, und Nir Jaimovich, Professor an der Marshall School of Business der University of Southern California (USC) [Update 06/2017] Universität Zürich. Das Beschäftigungswachstum der Wirtschaft stammt seit 2001 vollständig aus solchen Arbeitsplätzen, die keine wiederkehrenden Tätigkeiten mehr enthalten. Dies zeigen die beiden Ökonomen in ihrer StudieJobless Recoveries” für den Think Tank Third Way, welche den Verlauf der letzten beiden Rezessionen und Aufschwünge untersucht.

In a paper released last week, Professor Nir Jaimovich and collaborator Henry Siu argue that structural change within…

Posted by Duke Economics on Montag, 13. April 2015

Dabei basierte gerade der amerikanische Arbeitsmarkt, speziell in der Mittelschicht, einst auf Arbeitsplätzen, die aus Routine-Tätigkeiten bestanden. Arbeitnehmer gingen in Fabriken und Büros, nahmen Plätze in der Montagelinie ein oder waren ein Glied in der Prozesskette der Dokumentenverwaltung, um einer stets gleichartigen Aufgabe nachzugehen, und gingen am Ende jedes Arbeitstages nach Hause – ohne, um etwa auch von dort zu arbeiten.

Chart Industrie 4.0 Rückgang der Routine Arbeit Decline of Routine USA Third Way

 

– Quelle / Schaubild: Henry Siu / Nir Jaimovich, Third Way

Unternehmen gehen heute anders mit bestimmten Aufgaben im Geschäftsbetrieb um. Dabei wurde – als Reaktion auf die letzten beiden Konjunkturrückgänge – versucht, solche Bereiche auszurangieren, deren Aufgaben automatisiert werden oder in Reaktion auf wirtschaftliche Umschwünge leichter verändert werden können. Dabei wurde die Produktion verstärkt in andere Länder und Regionen ausgelagert, hingegen ist die Verwaltung mehr durch moderne Informationstechnologie automatisiert worden.

Für Jaimovich und Siu wird der Trend auch in Zukunft weiter andauern:

“Many of the routine occupations that were once commonplace have begun to disappear, while others have become obsolete. This is because the tasks involved in these occupations, by their nature, are prime candidates to be performed by new technologies. (…) Technological progress has only done wonders for human standards of living. (…) We’ll move toward our comparative advantage.”

Wenn Roboter in der Lage sein werden, komplexere Aufgaben zu übernehmen, wird es für die kommenden Jahrzehnte Aufgaben für Menschen geben, diese Maschinen zu programmieren und zu steuern. So umfassen viele Arbeitsbeschreibungen differenzierende Elemente, die argumentativ, kreativ, sozial und zwischenmenschlich sind.

Im Ergebnis der Studie halten die beiden Forscher fest:

The arrival of robotics, computing, and information technology has allowed for a large-scale automation of routine tasks. This has meant that the elimination of middle-wage jobs during recessions has not been accompanied by the return of such jobs afterward. This is true of both blue-collar jobs, like those in production occupations, and white-collar jobs in office and administrative support occupations. Thus, the disappearance of job opportunities in routine occupations is leading to jobless recoveries.

,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Accept and Proceed

Cookies help us to improve our services. By using our website, you agree to our use of cookies. Learn more