Interview Stefan Lorenz, Beckhoff

Beckhoff1

Im Rahmen der IT2Industry@AUTOMATICA präsentiert das Unternehmen Beckhoff auf dem ITQ Gemeinschaftsstand Lösungen und Produkte zum industriellen Internet der Dinge. Im Interview mit dem IT2Industry Blog erklärt Stefan Lorenz, Leiter Vertrieb Südbayern, warum Beckhoff schon seit vielen Jahren zu den Vorreitern beim Thema „Digitalisierung der Industrie“ zählt.

IT2Industry Blog: Herr Lorenz, Beckhoff zählt seit vielen Jahren zu den führenden Unternehmen in der Automatisierung. Inwieweit haben Sie schon vor dem „Industrie 4.0 Hype“ die Weichen in Richtung Digitalisierung gestellt?

Stefan_Lorenz
Stefan Lorenz

Stefan Lorenz: Beckhoff musste keine Weichen in Richtung Digitalisierung und Industrie 4.0 stellen. Seit Gründung des Unternehmens im Jahre 1980 entwickelt unser Unternehmen Produkte mit offenen, digitalen Systemarchitekturen. Bereits 1986 wurde die erste PC-kompatible Maschinensteuerung auf den Markt gebracht. 10 Jahre später folgte die Automatisierungssoftware TwinCAT als IEC61131-PLC- Echtzeitsteuerung unter Windows (NT). Digitale Kommunikationstechnik in der Automatisierung war bereits seit 1991 mit Lightbus Bestandteil der Technologie. Als erster Anbieter eines modularen I/O-Systems an verschiedenen Feldbussystemen wurde Beckhoff Vorreiter in der Modularisierung – und letztlich Digitalisierung – von Maschinen und Anlagen. Mit der Vorstellung weiterer Technologien in den vergangenen Jahren wie den Embedded-PC-Steuerungen und dem Echtzeit-Ethernet-System EtherCAT sowie der Einführung von TwinCAT 3 als konsequente Weiterentwicklung der Automatisierungssoftware haben unsere Kunden heute alle Werkzeuge im Baukasten, um den Herausforderungen der kommenden Jahre zu begegnen. Mit EtherCAT als Kommunikationsebene im Feld und über das EAP (EtherCAT Automation Protokoll) in der Leitebene steht das weltweit verbreitetste industrielle Realtime-System zur Verfügung. Also: Die Zukunft, über die viele sprechen, wird bei uns bereits praktiziert.

IT2I: Welche Produkte und Lösungen zum industriellen Internet der Dinge wird Beckhoff im Rahmen des ITQ Gemeinschaftsstandes auf der IT2Industry@AUTOMATICA präsentieren?

Stefan Lorenz: Wir werden Industrie 4.0 und IoT am Beispiel der Kommunikation mit dem MI-5-Demonstrator darstellen. Hierzu planen wir eine Cloud-Kopplung zu unserem Stand in Halle B6, Stand 320, zu realisieren. Konkret sollen die Cloud-Kommunikation mit MQTT und die damit verbundene Verbindung zwischen den Exponaten vorgestellt werden.

IT2I: Was sind Ihrer Meinung die größten Herausforderungen für Unternehmen bei Industrie 4.0?

Stefan Lorenz: DER Paradigmenwechsel!

Viele unserer Kunden haben in der Vergangenheit klassische SPS-Steuerungstechnik realisiert. Diese Technologie aus den 1990ern wird heute in neue Themenfelder gehüllt, ist aber bei genauer Betrachtung im Kern weitestgehend unverändert geblieben. Die Endkunden der diversen Maschinenbauer verlangen immer mehr Technologie in ihren Produktionsumgebungen. Hintergrund dieser Endkundenforderungen sind u.a. neue Gesetzgebungen und EU-Richtlinien (DIN EU ISO 5001 = Energiedatenmanagement; EN ISO 13849-1 und -2), die komplexere Anforderungen an die Maschinen- und Anlagenbauer stellen. Hier greifen die etablierten Denkweisen und bekannten Umsetzungsmechanismen nicht mehr oder nur noch mit einem hohen finanziellen Aufwand hinsichtlich Hardware- und Software-Engineering. Diesen bereits im Übergang befindlichen Wechsel in den Strukturen und den Arbeitsweisen im Engineering wollen viele Unternehmen noch nicht erkennen und versuchen „wie bisher“ auf die erweiterten Anforderungen zu reagieren. Herr Dr. Stetter ist diesbezüglich der „Missionar in der Maschinenbau-Engineering-Welt“ und er versucht deutlich zu machen, dass die Verschiebung der Anteile von Software und Hardware innerhalb eines Maschinenbau- oder Anlagenprojektes bereits offenkundig sind. „5S of Manufacturing“ ist in der Werkstatt Pflicht – Warum gibt es kein 5S of Engineering?“.

Zusammengefasst sehe ich die größte Herausforderung für die Unternehmen in den Führungsetagen, ihre Mitarbeiter zu motivieren, an diesem Wandel aktiv mitzuwirken, um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten. Aber ich sehe Positives für diese Unternehmen, da die Hochschulausbildung zunehmend junge Ingenieure herausbringt, die sich ausschließlich mit diesen Technologien in ihrer Ausbildung beschäftigen.

IT2I: Wie wird sich das industrielle Internet der Dinge auf die Arbeitswelt auswirken?

Stefan Lorenz: Ich sehe hier 2 Arbeitswelten.

  1. Die Welt der Entwickler und Ingenieure aller technischen Fakultäten: Hier werden neue Studienfelder generiert, die in den kommenden Jahren andere Qualifizierungen erfordern, um neuen den Aufgaben zu folgen, die auch zu lösen sind. Man kann es in etwa mit dem Wandel vor mehr als 25 Jahren von VPS (Verbindungsprogrammierte Steuerung) hin zur SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) vergleichen. Damals gab es auch Stimmen, die riefen: Was passiert mit unseren Elektrikern – Diese benötigen wir noch heute – Aber die Erstellung der Logik wurde in Software gegossen und hat Deutschland einen Vorsprung in der Welt verschafft – Das passiert auch JETZT und ich hoffe, die deutschen (und europäischen) Technologieunternehmen erkennen das und arbeiten mit, dass Deutschland weiterhin eine technologische Führungsrolle in der Welt für die Automatisierung von Maschinen und Anlagen spielt.
  2. Die Arbeitswelt der Anwender: Dieser Wandel wird sich weit weniger schnell vollziehen als es viele heute „an die Wand malen“. Wenn man eine Kernaussage von IoT heranzieht, so geht es um die Kommunikation der Maschinen untereinander. Also soll z.B. die Verpackungsmaschine an die Produktionsmaschine seines Zulieferers melden, dass weiteres Material vom Typ xy im Zeitraum t benötigt wird. Bei großen Unternehmen geschieht dies heute schon ‚indirekt‘. Die Maschine meldet den Bedarf an das Warenwirtschaftssystem und dieses prüft den Lagerbestand und löst bei Bedarf die Bestellung automatisch aus.

Ein anderes Szenario in der Arbeitswelt der Anwender sind die ‚flexiblen‘ Fertigungsstraßen: Hier ‚fragt‘ das Produkt, welche Station für den nächsten Bearbeitungsschritt gerade zur Verfügung steht. Hierzu sind flexible Transportsysteme wie z.B. unser XTS (eXtended Transport System), neue Logistik-Strategien und  ‚etwas‘ intelligentere Maschinen gefordert. Daher sehe ich keine signifikante Auswirkung auf diesen Bereich der Arbeitswelt, da es bereits heute in diesen Umgebungen die Anzahl von Personen gibt, die für den Betrieb erforderlich sind. Einen Wandel erfahren Tätigkeiten, die den Menschen belasten; aber das hängt nicht direkt mit IoT sondern mit dem zunehmenden Automatisierungsgrad zusammen (z.B. MRK – Mensch Roboter Kollaboration).

IT2I: Wie weit wird die deutsche Industrie in fünf Jahren im Bereich IoT, Industrie 4.0 bzw. Digitalisierung sein?

Stefan Lorenz: Es wird aus meiner Sicht sehr viel davon abhängen wie unsere zentralen Industriezweige dieses Thema in den kommenden Jahren umsetzen (lassen!). Ich bewege mich seit über 20 Jahren in diesem Markt und sehe eine Trennung zwischen großen Mittelstandsunternehmen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben und sicher in fünf Jahren führende Technologien in ihren Maschinen in die Welt exportieren. Die heimische produzierende Industrie sehe ich hier z.T. eher noch auf konservativeren Pfaden wandeln. Nach Außen wird über neue Technologien viel kommuniziert; aber in der Innovation auf Produktionsebene sieht es oft noch nicht nach Zukunft aus. Ideen und Konzepte gibt es genügend und die junge Generation an Ingenieuren und Technikern steht bereits in den Startlöchern – Aber da „vieles schon immer so gemacht wurde ……“

Beckhoff, ITQ Gemeinschaftsstand, Halle B4, Stand 202 sowie Stand 218 (OPC Foundation)

,,,,,,

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Accept and Proceed

Cookies help us to improve our services. By using our website, you agree to our use of cookies. Learn more