Interview Ulrich Ermel, PULS GmbH

Ulrich Ermel
Ulrich Ermel, PULS GmbH

In seinem Vortrag am 10. November bei der IT2Industry Open Conference zum Thema „Industrial IoT / Industry 4.0 -Risk Assessment of Smart Factories” wird Ulrich Ermel, Director New Business Development bei der PULS GmbH, über Risikoanalyse und die Nicht-Verfügbarkeit von Materialien in der Elektronikindustrie sprechen. Vorab hat er dem IT2Industry Blog fünf Fragen beantwortet.

IT2Industry Blog: Herr Ermel, das Thema Ihres Vortrags bei der IT2Industry Open Conference lautet „Industrial IoT / Industry 4.0 -Risk Assessment of Smart Factories“. Können Sie für unsere Leser die Kernaussagen Ihrer Präsentation skizzieren?

Ulrich Ermel: „Über die Chancen und immensen Möglichkeiten im Rahmen von Industrial IoT oder Industrie 4.0 wird breitflächig weltweit rege diskutiert. Die Risiken, die durch eine etwaige Vernetzung entstehen können, werden in zahlreichen Vorträgen unter dem Fokus „Digitalisierung und Software“ beleuchtet. Es scheint, als wären die einzigen Risiken im Bereich Datenmissbrauch, -Entwendung oder bei Hacker-Angriffen beheimatet. Diese an sich positive öffentliche Diskussion über dieses Risiko wird dazu führen, dass die meisten Lösungen im Industrial IoT oder Industrie 4.0-Umfeld tatsächlich im Bereich Software auf Sicherheit ausgelegt werden und sicherer werden. Mit etwas Sorge betrachte ich daher bei allem „Hype“ um das Thema Sicherheit die kaum stattfindende Diskussion um die Zukunftsfähigkeit der eingesetzten Hardware. Mit Einzug der IT Elektronik in das industrielle Umfeld stoßen immerhin auch zwei Welten aufeinander. Gehört ein Switch/Router in der IT Elektronik nach bereits 3 Jahren zum alten Eisen, so benötigt die Industrie selbigen jedoch unverändert über 10 Jahre und länger. In den seltensten Fällen steht dieses IT Equipment dem industriellen Anwender aber über diesen geforderten Zeitraum zur Verfügung. Ich sehe die zukünftige immer kürzer werdende Verfügbarkeit von IT Hardware im industriellen Umfeld aktuell für ein viel größeres wirtschaftliches Risiko, als das Risiko von Hacker-Angriffen oder Datenmissbrauch.“

IT2I: Sie sind für das Unternehmen PULS tätig, welches Mitglied im Verband Component Obsolescence Group ist. Was sind die Hauptaufgaben des Verbands und für welche Produkte/ welches Know-How steht die Firma PULS innerhalb dieser Vereinigung?

Ermel: „Im Verein Component Obsolescence Group Deutschland e.V. (einer Tochterorganisation des International Institute of Obsolescence Management in Großbritannien) sind sämtliche Stakeholder einer modernen Supply Chain im Industriebereich beheimatet. Das Vereinsziel ist der Austausch zu Vorgehensweisen um die Schäden durch nicht verfügbare Produkte (das können elektronische Bauelemente, aber auch Systemkomponenten oder komplexe Zukaufteile sein) zu minimieren. Die Firma PULS beteiligt sich in diesem Non-Profit Verein als Vertreter der Stromversorgungs-Branche. Stromversorgungen bilden das Rückgrat einer jeden industriellen Fertigungsanlage. Eine Industrial IoT oder Industrie 4.0 Umgebung ist ohne einer stabilen, stets verfügbaren, effizienten und zuverlässigen Stromversorgung nicht denkbar. Aus diesem Grund erwarten viele Betreiber von Fertigungsanlagen die gleiche langfristige Verfügbarkeit von IT-Equipment, wie von unseren Stromversorgungen. Aus diesem Grund kann das Unternehmen PULS auch innerhalb der Vereinigung auf Seiten der Hardware als Wissensträger gesehen werden. Im Gegenzug nehmen wir natürlich die Anregungen aus der IT Welt und von Betreibern offen und positiv entgegen.“

IT2I: Welche Bedeutung/Rolle spielt das Thema Obsolescence im Zeitalter von Smart Factories und Industrie 4.0?

Ulrich Ermel PULS GmbH
PULS GmbH

Ermel: „Obsolescence ist bildlich gesprochen der „Sand im Getriebe der Digitalisierung“. Vielleicht sorgt jener nicht zwangsläufig für den Stillstand des Getriebes, aber er sorgt für hohe Kosten, da das Getriebe kontinuierlich überholt werden muss. Häufige Aktualisierungen, Anlagenstillstände, teure Ersatzteile (falls überhaupt verfügbar) und nicht mehr verfügbares IT–Equipment sorgt für latent steigende laufende Kosten. Leider schreckt Obsolescence auch vor Software nicht zurück und kann auch dort hohe Kosten verursachen.“

IT2I: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen im Hinblick auf Industrie 4.0 in Deutschland?

Ermel: „In Hinblick auf Industrie 4.0 sehe ich als größte Herausforderung die immer noch starre Organisation von Konzernen/Unternehmen und die damit einher gehende systematische Verhinderung „neuer Ideen“ zu Industrie 4.0. Wir brauchen in Deutschland ein Klima, das Unternehmern (in oder außerhalb des Unternehmens) das Experimentieren erleichtert. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, ist ein altes Sprichwort und meine Sorge ist, dass zu wenige wagen, da man im Falle eines Scheiterns gesellschaftliche Anerkennung oder sogar den Job verliert. Auch bei „Gyro Gearloose“ (bei uns als Daniel Düsentrieb bekannt) läuft seit rund 1952 nicht jede Erfindung auf Anhieb, dennoch existiert diese Figur mit unbeschadetem Image. Vielleicht liegt das am amerikanisch geprägten Umfeld von Walt Disney in welchem das Scheitern kein Versagen per Definition darstellt. Ein bisschen mehr Walt Disney könnte also aus meiner Sichtweise auch der deutschen Industrie 4.0 Bewegung nicht schaden.“

IT2I: Wie bewerten Sie das Konzept der IT2Industry, die Bereiche Industrie und IT in einer Veranstaltung zu verknüpfen?

Ermel: „Das Konzept trifft den Zeitgeist und könnte besser nicht gewählt sein. Wir brauchen eine Annäherung und eine Zusammenarbeit zwischen „IT“ und „Industrie“, so dass die Vorteile der IT-Welt langfristig in der industriellen Welt zum Tragen kommen und Mehrwert erzeugen.“

 

Vortrag von Ulrich Ermel: „Industrial IoT / Industry 4.0 -Risk Assessment of Smart Factories”, Donnerstag, 10. November 2016, IT2Industry Open Conference, Messe München

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